Von Cindy und Chris Kögel
Unser Blick schweift über die blau-schillernde Lagune, abertausende rosa gefiederte Flamingos schnattern vor uns um die Wette. Am Horizont erblicken wir die hochaufragenden Vulkane und die majestätischen Bergspitzen des Andengebirges, die sich im glasklaren Wasser der Lagune spiegeln. Wir können es nicht glauben, aber wir befinden uns gerade auf über 3000 Metern im Hochland von Bolivien, ein Ort den wir bis dato nur von Bildern kannten.
Unsere Reise hat gerade erst begonnen und wir sind jetzt schon überwältigt und sprachlos von dieser einzigartigen Landschaft, die uns hier geboten wird. Die nächsten drei Tage werden wir mit dem Jeep über die staubigen Sandpisten der bolivianischen Hochebene düsen, traumhafte Lagunen besuchen, Flamingos aus nächster Nähe bestaunen, die höchstgelegenen Geysire und die größte Salzwüste der Welt erkunden. Dass diese Tour durch Bolivien zu unserem absoluten Highlight unserer mehrmonatigen Reise durch Südamerika werden würde, hatten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht geahnt, doch eins wussten wir, es wird mit Sicherheit ein grandioses Abenteuer werden.
Unser 3-tägiges Jeep Abenteuer starteten wir in San Pedro de Atacama in Chile. Von dort aus ging es mit einem Transfer zunächst zur bolivianischen Grenze, wo bereits unser privater Guide George und unser Fahrer Poly auf uns warteten. Wir haben uns für eine Privattour von Ruta Verde Tours entschieden, was sich im Nachhinein als goldrichtige Entscheidung herausstellte, denn im Vorfeld haben wir unzählige Nächte damit verbracht, eine passende Tour zu finden. Nicht selten waren wir bei unseren Recherchen zur Hochland-Durchquerung und dem Uyuni Salzwüsten Erlebnis auf Bewertungen gestoßen, die unser Vorhaben immer wieder in Frage stellten. Touristen berichteten von alkoholisierten Guides während der Fahrten, leichtsinnige und fahrlässige Fahrweisen, fehlende Versorgung in Bezug auf eine mögliche Höhenkrankheit und die teilweise katastrophalen Zustände der angebotenen Unterkünfte.
Wir recherchierten und kämpften uns durch die Flut von Anbietern und stießen glücklicherweise auf einen Anbieter der unsere Anforderungen und Wünsche erfüllen konnte. Als wir unseren Einreisestempel endlich im Pass hatten, konnte unser Abenteuer beginnen und wir fuhren über die staubige Hochlandebene geradewegs auf unsere ersten beiden großen Highlights zu, der Laguna Blanca (weiße Lagune) und der Laguna Verde (grüne Lagune) am Fuße des eindrucksvollen Vulkans Licancabur. Hier bot sich uns bereits ein atemberaubendes Farbenspiel, denn die rotbraune Wüstenlandschaft der bolivischen Anden spiegelte sich im leuchtend weißen und smaragdgrünen Wasser der Lagunen wieder. Die intensive Farbe der beiden Lagunen entsteht durch das Zusammenwirken von Mineralien im Wasser. Je nach Sonneneinstrahlung und durch die Stärke des Windes wirken die Farben mehr oder weniger intensiv.
Noch verzaubert von diesem Naturphänomen hüpften wir wieder in unseren Jeep und setzten die Fahrt weiter fort. Wir passierten die Steinwüste Salvador Dali, die uns mit einer staubigen, wundersamen Landschaftsszenerie begrüßte. Beim Anblick dieser fast schon surrealen Landschaft wurde uns schnell klar, warum diese Wüste den gleichen Namen trägt, wie der katalanische Künstler Salvador Dali. Dieser Ort gleicht nahezu einem Kunstwerk. Zur Mittagszeit erreichten wir unseren dritten Stopp des Tages, die Termas de Polques am Salar de Chalviri, ein von vulkanischem Wasser gespeistes Thermalbecken inmitten des zentralen Hochlands von Bolivien. Wir schlüpften in unsere Badekleidung und ehe wir uns versahen, genossen wir bereits die wohltuende Wärme des fast 30 Grad warmen Thermalbeckens sowie die spektakuläre Aussicht auf die Laguna Chalviri, die im Sonnenlicht in allen erdenklichen Blautönen erstrahlte. In der Ferne erblickten wir wieder eine Gruppe Flamingos, die im gemächlichen Tempo die Lagune durchquerten.
Erfrischt durch das Bad und gestärkt vom Mittagessen stand nun unsere letzte Tagesetappe an. Es ging zum höchstgelegenen Geysirfeld der Welt, den „Sol de Mañana“. Bereits an der Laguna Chalviri, wo wir unser heißes Bad genossen hatten, befanden wir uns auf einer Höhe von knapp 4400 Metern. Nun sollte es innerhalb weniger Minuten auf eine Höhe von knapp 5000 Metern über dem Meeresspiegel gehen. Über die Sandpiste der kargen Wüstenlandschaft ging es mit dem Jeep Richtung Sol de Mañana und nach nur wenigen Minuten sahen wir bereits aus der Ferne die dichten Dampfschwaden der Geysire gen Himmel emporsteigen. Was uns gleich für ein Naturschauspiel erwarten würde konnten wir nur erahnen, doch als wir ankamen wurden unsere Erwartungen und Vorstellungen von diesem mächtigen Ort bei weitem übertroffen.
Wir öffneten die Wagentüren und sofort stieg uns ein leicht stechender Schwefelgeruch in die Nase. Zusammen mit unserem Guide George machten wir uns fußläufig auf den Weg zu den Geysiren. Der Name „Sol de Mañana“ bedeutet übersetzt, Morgensonne. Der Name rührt daher, dass die Geysire in den Morgenstunden noch eine viel größere vulkanische Aktivität aufweisen als zu anderen Tageszeiten. Da wir die Tour allerdings von Chile aus gestartet hatten, war unser Besuch für den späten Nachmittag vorgesehen. Doch die Uhrzeit hatte diesem Naturschauspiel keinen Abbruch getan, denn die vulkanischen Aktivitäten die sich vor unserem Auge boten, waren mehr als beeindruckend. Unsere Blicke schweiften über die rot-orange Marslandschaft, die einen einzigartigen Kontrast zum azurblauen Himmel lieferte. Neben uns brodelte und blubberte es aus den Erdlöchern, es zischte und rauchte wohin wir auch blickten. Immer wieder zogen dichte, nach Schwefel riechende Dampfschwaden an uns vorbei.
An diesem Ort fühlte man sich wie kurz nach der Entstehung der Erde oder wie auf einem weit entfernten Planeten. So sehr uns dieser Ort faszinierte und wir gerne noch länger geblieben wären, machte sich bereits nach kurzer Zeit bei mir die Höhenkrankheit bemerkbar. Plötzlich auftretende, stechende Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit quälten mich und wir beschlossen daraufhin so schnell wie möglich die extreme Höhe zu verlassen und zu unserer ersten Unterkunft aufzubrechen. Unser Guide war perfekt auf solche Situationen vorbereitet und versorgte mich umgehend mit einem Sauerstoffgerät und den nötigen Tabletten um der aufkeimenden Höhenkrankheit sofort entgegen zu wirken.
Am letzten Tag unserer Abenteuerreise durch das Hochland Boliviens wartete ein absolutes Highlight auf uns. Wir besuchten die weltweit größte Salzwüste, die Salar de Uyuni. Der Moment als wir mit unserem Jeep auf den schier endlos weißen Salzteppich des größten Salzsees der Welt fuhren, war kaum in Worte zu fassen. Der größte Salzsee der Welt umfasst eine Fläche von über 12.000 Quadratkilometer und während der Sommermonate ist der See von einer meterdicken Salzkruste überlagert und überall am Boden bildet sich ein Hexagon förmiges Muster. In den Wintermonaten (Dezember – März) wird der Salzteppich aufgrund der starken Regenfälle fast komplett überflutet und verwandelt diesen Ort in den größten Spiegel der Welt. Ein Schauspiel, welches wir bei unserem nächsten Bolivienbesuch definitiv noch erleben möchten. Unser erster Stopp des Tages war die Insel „Incahuasi“, die aus ehemaligen Vulkanen entstand und sich im Herzen der Salar de Uyuni befindet. Unser Guide führte uns über die Insel und wir kamen aus dem Staunen mal wieder nicht heraus, denn die komplette Insel ist übersät mit meterhohen und über mehrere 1000 Jahre alten Säulenkakteen. Unglaublich, aber die Kakteen erreichten teilweise Höhen von bis zu 20 Metern. Doch das ist noch bei weitem nicht alles was die Insel zu bieten hat. Auch Jahrtausende alte Korallenbänke kann man hier entdecken, denn dieses einzigartige Fleckchen Erde war einst vom Ozean bedeckt und vollkommen unter Wasser.
Was bei einer Reise in die Salar de Uyuni auf keinen Fall fehlen darf sind die einfallsreichen Fotoaufnahmen. Die spiegelglatte Oberfläche der
Salzwüste ist eine unglaubliche Kulisse für Fotos und lädt förmlich zum Spielen mit der Perspektive ein. Auch wir hatten einen riesigen Spaß uns an den unterschiedlichsten Fotoposen und Perspektiven auszuprobieren.
Bevor wir uns zum Eisenbahnfriedhof in der Nähe der Stadt Uyuni aufmachten, genossen wir noch ein exklusives Mittagessen inmitten der Salzwüste. Ein Tisch, das Essen, wir und die endlose Salzwüste, also diese Umgebung kann kein Restaurant der Welt toppen, da sind wir uns einig. Gegen Spätnachmittag erreichten wir die Ausläufe der Salar de Uyuni und steuerten geradewegs auf unser letztes Ziel zu, den Eisenbahnfriedhof. Hier trafen wir auf uralte, teilweise bis zu 100 Jahre alte Lokomotiven und ausrangierte Waggons, die uns einmal mehr das perfekte Fotomotiv lieferten. Angekommen in der weniger einladenden Stadt Uyuni, hieß es für uns nun Abschied nehmen, denn unsere abenteuerliche Reise durch Bolivien ging zu Ende. Mit unvergesslichen Erinnerungen im Gepäck verabschiedeten wir uns von George und Poly, genossen noch einen köstlichen Café und machten uns dann auf den Weg zum Flughafen, wo wir den Flug in unser nächstes Abenteuer antraten. Abschließend können wir mit Sicherheit sagen, Bolivien hat unser Herz im Sturm erobert und uns mehr als einmal sprachlos gemacht. Wir haben auf unseren ganzen Reisen rund um den Globus selten eine so traumhaft schöne Landschaft gesehen, wie auf dieser Reise. Für uns war dieser 3-tägige Trip durch das bolivianische Hochland und die Salar de Uyuni eines der eindrucksvollsten Erlebnisse unserer ganzen Zeit. Wir können nur jedem dieses Erlebnis empfehlen. Die Eindrücke bleiben fürs Leben.
Reiseverrückt, fernwehgeplagt und abenteuerlustig! Für die beiden gibt es kaum etwas schöneres als gemeinsam die Welt zu bereisen, neue Orte zu entdecken und sich dabei in die verrücktesten Abenteuer zu stürzen. Ihre größte Leidenschaft ist das unkonventionelle Reisen und wenn sie nicht gerade irgendwo auf der Welt unterwegs sind, dann findet man sie auf irgendeinem Gipfel in ihrer schönen Heimat dem Allgäu. Folgen wir Ihnen auf Instagram unter @footprints2happiness oder auf ihrem Blog unter www.footprints2happiness.de.
Bildnachweise: Chris Kögel

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