Von Daniel Tischer
Taiwan, die herzförmige Insel neben dem großen Bruder China, liegt im Westpazifik und beeindruckt mit atemberaubender Natur, faszinierender Kultur und einer reichen Geschichte. Meine Reise durch Taiwan führte mich zu einigen der bekanntesten und schönsten Orte des Landes. Von der pulsierenden Hauptstadt Taipeh über das malerische Jiufen und Hualien bis zur beeindruckenden Taroko-Schlucht, dem sonnenverwöhnten Kenting Nationalpark und der lebhaften Metropole Kaohsiung – Taiwan ist ein vielfältiges Reiseland. Im Landesinneren finden Naturfreunde über 200 Gipfel mit über 3000 Meter Höhe, die mit zahlreichen Wanderwegen gespickt sind und für unvergessliche Ausblicke sorgen.
Meine Reise begann in der lebhaften Hauptstadt Taiwans, Taipeh. Die moderne Metropole ist ein Schmelztiegel von Kultur, Geschichte und Gastronomie. Ein Ort, der mich besonders beeindruckt hat, ist das imposante Wahrzeichen der Stadt, der gläserne Wolkenkratzer Taipei 101 in Form eines gigantischen Bambus.
Als ich einen der schnellsten Aufzüge der Welt bestieg und binnen 40 Sekunden in die schwindelerregende Höhe des 89. Stocks hinauf schoss, öffnete sich vor mir ein atemberaubender Blick auf die Skyline von Taipeh. Das Gefühl, hoch über den Dächern der Stadt zu schweben und die pulsierende Energie zu spüren, war schlichtweg überwältigend. Auf dem sogenannten Observation Floor, der rundum verglast ist, lassen sich tolle Panoramabilder der Millionenstadt knipsen und der mächtige Dämpfer des Hochhauses bestaunen, der bei Wind für Stabilität sorgt.
Neben moderner Architektur hat Taipeh auch seine historische Seite bewahrt. Der Longshan-Tempel, ein beeindruckendes buddhistisches Heiligtum, hat eine lange Geschichte und ist ein Ort der Ruhe und Besinnung. Die prachtvollen Hallen des Tempels, umgeben von brennenden Räucherstäbchen und dem gedämpften Klang von Gebeten, sind der buddhistischen Göttin der Barmherzigkeit (Kuan-in auf Chinesisch) gewidmet.
Wer sich für Geschichte interessiert, besucht den Nationalpalast, dessen Museum eine beeindruckende Sammlung chinesischer Kunst und Kultur beherbergt. Hier bestaunen Besucher die weltweit größte Sammlung chinesischer Kunstwerke von unschätzbarem Wert, die die 8.000-jährige Geschichte Ostasiens umspannt.
Taipeh bietet auch einen einzigartigen Kontrast zwischen moderner Urbanität und grüner Natur. Der Beitou Hot Spring Park ist ein malerischer Ort, der für seine natürlichen heißen Quellen bekannt ist, ein wahres Paradies der Entspannung. Ich tauchte meine Füße in das warme, heilende Wasser und genoss den Blick auf die umliegenden Berge.
Bekannt ist Taipeh auch für seine lebendige Street-Food-Kultur, die mich kulinarisch begeisterte. Die Nachtmärkte, wie der berühmte Shilin-Nachtmarkt, sind ein Schmelztiegel der Aromen und Gerüche. Das Probieren von traditionellem taiwanesischem Street-Food, wie zum Beispiel Xiao Long Bao und Bubble Tea, weckte nicht nur meine Geschmackssinne, sondern ließ mich auch die lebendige Atmosphäre der Stadt hautnah erleben.
Von Taipeh aus machte ich mich mit dem Mietwagen auf den Weg nach Jiufen, einem charmanten Dorf an den Hängen der Berge, bekannt für seine engen Gassen, traditionelle Teehäuser und die nostalgische Atmosphäre. Bei einem Spaziergang durch die gepflasterten Straßen konnte ich die traditionelle Architektur bewundern und lokale Delikatessen wie Taro-Bällchen und Aiyu-Gelee probieren. Ein absolutes Highlight war der Ausblick von der Jiufen Old Street, wo ich den Sonnenuntergang über der Küste genießen konnte.
Meine Reise führte mich weiter nach Hualien, einer Küstenstadt im Osten Taiwans. Hualien ist der ideale Ausgangspunkt, um die atemberaubende natürliche Schönheit der Umgebung zu erkunden. Die Taroko-Schlucht liegt eine Stunde entfernt und zählt zu den eindrucksvollsten Naturlandschaften Taiwans. Mit dem Mietwagen hatte ich die Möglichkeit, die verschiedenen Abschnitte der Schlucht zu erkunden und die atemberaubende Aussicht zu genießen. Einige Höhepunkte waren der Baiyang-Wasserfall, der Shakadang-Trail und der Tunnel of Nine Turns. Ich empfehle, genügend Zeit für die Erkundung einzuplanen, da die Taroko-Schlucht so vielfältig ist und es zahlreiche Wanderwege gibt, die zu weiteren versteckten Juwelen führen.
Nach meiner Zeit in Hualien reiste ich in den südlichen Teil von Taiwan, um den Kenting Nationalpark zu besuchen. Dieser Nationalpark beeindruckt mit seiner malerischen Küstenlandschaft, weißen Sandstränden und einer Vielfalt an Naturschauspielen. Während meines Aufenthalts entspannte ich mich an den wunderschönen Stränden von Baisha und Nanwan. Es lohnt sich, den Sonnenuntergang an einem der Küstenabschnitte des Parks zu erleben, um die spektakulären Farben zu genießen.
Besuchen sollte man auch unbedingt die Kenting National Forest Recreation Area.Dieser Botanische Waldgarten ist einer der malerischsten Bereiche des Kenting-Nationalparks und bietet Naturliebhabern ein wahres Feuerwerk. Mehr als 1.000 Pflanzenarten gehören zu diesem Schutzgebiet, die in Bereiche für Heilpflanzen, tropische Früchte und Gummibäume unterteilt sind. Für eine mystische Atmosphäre entlang des Pfades sorgen die verbogenen, nach oben gerichteten Wurzeln in Kombination mit den herabhängenden Ästen des Banyan-Baumes. Halte auch Ausschau nach den Makaken, die in den Bäumen herum tollen. Im südlichen Teil des Parks befindet sich ein 27 Meter hoher Aussichtsturm, von dem aus man einen unglaublichen Blick auf den Pazifischen Ozean und die weit entfernte Orchideeninsel am Horizont sehen kann.
Von Kenting aus führte mich meine Reise in die aufstrebende Metropole Kaohsiung. Die moderne Stadt an Taiwans Westküste beeindruckte mich mit ihrer urbanen Atmosphäre und ihrer Vielfalt an Attraktionen. Der Lotus-See war einer meiner Lieblingsorte, wo ich neben tausenden Seerosen auch die berühmten Drachen- und Tiger-Pagoden bewunderte. Durch das Maul des Drachen, der für das Positive steht, geht es ins Innere und durch das Maul des Tigers, Symbol für Negativität, wieder ins Freie. Ein wahres Fest der Farben.
Danach besuchte ich das Pier-2-Kunstzentrum, eine ehemalige Hafenfläche, die in ein Kunst- und Kulturzentrum umgewandelt wurde. Durch das Zusammentreffen eines alten Viertels mit neuer Kunst wurde Pier-2 zu einem Viertel mit neuer Vitalität und Lebendigkeit. Heutzutage gibt es in dem Lagerhaus alle Arten von Geschäften, Restaurants, Galerien und Ausstellungen sowie unregelmäßige Themenmärkte wie den Vintage-Flohmarkt. Viele bunte Wandmalereien, schöne künstlerische Skulpturen und temporäre Ausstellungen diverser Künstler lassen das Herz von Kunstfreunden höher schlagen.
Nach dem Abschied aus Kaohsiung fuhr ich weiter ins Inland Taiwans, wo mich traumhafte Berglandschaften, Reisfelder und dichter Urwald erwarteten. Und mittendrin befindet sich der herrliche Sun-Moon-Lake, der zu den beliebtesten Ausflugszielen des Landes zählt. Die klaren Gewässer des Sees, umgeben von majestätischen Bergen und üppigem Grün, erzeugen eine idyllische Kulisse. Um die Schönheit des Sees vollends genießen zu können, bietet sich eine Bootsfahrt an, um die verschiedenen Aussichtspunkte zu erkunden.
Der 1938 im chinesischen Palaststil erbaute Wenwu-Tempel ist einer der bedeutendsten kulturellen und religiösen Orte am Sun-Moon-Lake. Der auf einer Anhöhe thronende Tempel bietet nicht nur einen fantastischen Blick auf den See, sondern ist auch ein Ort der Einkehr und des Gebets. Der prächtige Bau ist den Kriegsgöttern Guan Yu und Yue Fei sowie Konfuzius gewidmet und beeindruckt mit seiner kunstvollen Architektur und reichhaltigen Verzierungen.
Die Umgebung des Sun-Moon-Lake bietet ausgezeichnete Möglichkeiten zum Radfahren und Wandern. Es gibt gut markierte Wanderwege und Fahrradwege, um die umliegende Natur und die charmanten Dörfer zu erkunden. Der Fahrradweg, der rund um den See führt, ist besonders beliebt und bietet eine angenehme Fahrt ohne viel Anstrengung.
Das Aboriginal Culture Village gewährt einen guten Einblick in die Kultur und Traditionen der Ureinwohner Taiwans. Hier kann man traditionelle Tänze und musikalische Darbietungen erleben und handgefertigtes Kunsthandwerk kaufen.
Meine letzte Station der Reise war die Stadt Tainan, deren Straßen einen magischen Hauch von Geschichte und Kultur durchdringen. Ich begann meinen Streifzug durch die Stadt mit dem Chihkan Tower, einem historischen Wahrzeichen, das einen Einblick in die koloniale Vergangenheit Tainans bietet. Der ursprüngliche Bau stammt aus dem 17. Jahrhundert und diente als Verwaltungszentrum der Niederländischen Ostindien-Kompanie. Heute kann man die beeindruckende Architektur bewundern, in den Innenhöfen spazieren und Ausstellungen über die Geschichte der Stadt ansehen.
Das Anping Fort, auch als Fort Zeelandia bekannt, ist ein weiteres bedeutendes historisches Monument in Tainan. Ursprünglich von den Niederländern errichtet, wurde es später von den Chinesen umgebaut und erweitert. Das Fort diente als wichtiger Stützpunkt während der kolonialen Ära und beherbergt heute ein Museum, das die Geschichte der Region veranschaulicht. Vom Fort aus hat man einen herrlichen Blick auf den Anping-Hafen.
Der Koxinga Shrine ist ein wichtiger kultureller Ort in Tainan, der dem berühmten General Zheng Chenggong gewidmet ist. Zheng Chenggong spielte eine entscheidende Rolle bei der Vertreibung der niederländischen Kolonialherren und der Wiederherstellung der chinesischen Kontrolle über Taiwan. Der Schrein ist von einer friedlichen Gartenanlage umgeben, die zum Verweilen einlädt.
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Daniel ist Gründer vom Reiseblog Southtraveler, Blogger, Autor, Reisejunkie, Leseratte, Wein-Liebhaber und Abenteuermensch. Das Reisen und Entdecken wurde ihm bereits von seinen Eltern in die Wiege gelegt. Reisen ist für ihn Erfüllung, Freiheit, Offenheit, Bildung, Toleranz, Lebenserfahrung. Reisen ist Leben! Unter dem Motto „Kreuz & Quer durch Lateinamerika“ nimmt er uns mit auf seine Reisen. Er bereist seit nunmehr 13 Jahren die Länder Mittel- und Südamerikas. Uns bereichert er mit seinen lebendigen und spannenden Geschichten. Wir folgen ihm auf Instagram unter southtraveler und auf seinem Blog unter www.southtraveler.de.
Seine weiteren Beiträge auf unserem Reiseblog:
Chile – Verlassene Orte in der Atacama Wüste
Los Gigantes auf Teneriffa: atemberaubende Landschaft und unvergessliche Wandererlebnisse
Bildnachweise: Daniel Tischer

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