von Anne-Lena Scherrer

Zwischen Touristenattraktionen und geheimen Lieblingsorten

Düsseldorf hat viel mehr zu bieten als Rhein, Karneval und Altbier. In Nordrhein-Westfalens Landeshauptstadt lebt die grösste Japanische Gemeinde Deutschlands. Die Kö zieht Touristen aus aller Welt an, ebenso die längste Theke der Welt in der Altstadt. Doch es gibt auch ruhige Ecken, die sich wunderbar mit dem Fahrrad oder zu Fuss erkunden lassen. 

Sightseeing am und auf dem Rhein 

Kaum angekommen, führt der Weg unweigerlich zum Rhein. An den Kasematten in der Sonne sitzen und ein erstes Altbier trinken, dabei den vorbeiflanierenden Menschenmengen zuschauen -es gibt keinen besseren Start ins Wochenende! Danach lockt ein Spaziergang vom Burgplatz Richtung Medienhafen. Auf dem Weg passiert man zuerst den nordrheinwestfälischen Landtag und später die berühmten tanzenden Häuser des Architekten Frank Gehry. Mit ihrer modernen Architektur gehören sie zu Düsseldorfs beliebtesten Fotomotiven. Weiter geht es Richtung Rheinturm, von dessen Aussichtsplattform in 168 Metern Höhe aus man den besten Blick auf die Stadt hat – an manchen Tagen soll sogar der Kölner Dom zu sehen sein. 

Auch vom Wasser aus lässt sich die Stadt besichtigen. Die Schiffe der Weissen Flotte bieten ab den Kasematten verschiedene Routen und Themenfahrten an. Wer noch mehr von der Stadt sehen und über ihre Sehenswürdigkeiten erfahren will, dreht am besten eine Runde im Hop-on/Hop-off-Bus. Es gibt nur eine Route. Eine Rundfahrt dauert etwa 90 Minuten und bietet viele Möglichkeiten zum Aussteigen. 

Litte Tokyo und edle Noblesse

Wer die asiatische Kultur liebt, der sollte unbedingt einen Abstecher in das Japanische Viertel einplanen. In den Strassen zwischen Immermann– und Klosterstrasse finden sich kleine Streetfoodläden, asiatische Supermärkte und Manga-Shops. 8.000 Japaner haben sich in Düsseldorf angesiedelt und mit ihnen zahlreiche Shops und Einrichtungen, die man so in keiner anderen deutschen Stadt findet. Beim jährlich stattfindenden Japanfest gibt es noch mehr jan-panisches Essen und Kultur zu entdecken. Anime-Fans aus der ganzen Welt flanieren in ihren aufwändigen Kostümen die Rheinpromenade entlang. Sehen und gesehen werden lautet das Motto. Höhepunkt ist am Abend das grosse Japanische Feuerwerk. 

Aber auch die anderen Stadtviertel haben ihren Charme. Rund um die Loretto Strasse in Unterbilk finden sich zahlreiche individuelle Shops, Cafés und Restaurants, die Schönes und Leckeres im Angebot haben. Ähnlich sieht es im Stadtteil Flingern rund um die Ackerstrasse aus. Im Studentenviertel Bilk finden sich vor Allem an der Brunnenstrasse alternative Shops und Läden von kleinen Labels.  

Alte Villen und einige der schönsten Häuserfassaden lassen sich im Stadtteil Oberkassel auf der linken Rheinseite bestaunen. In diesem Viertel ist alles etwas exklusiver. Davon kann man sich in einem der zahlreichen Cafés und Restaurants entlang der Luegallee am besten selbst ein Bild machen. Nicht umsonst gehört Oberkassel zu eines der teuersten Wohngebiete der Stadt. Doch einmal im Jahr ist hier Ausnahmezustand: Wenn auf den Rheinwiesen die grösste Kirmes am Rhein Scharen an Unterhaltungswilligen anlockt, zieht es so manchen Oberkasseler lieber in die Altstadt.  

Die längste Theke der Welt 

Apropos Altstadt: Wer in Düsseldorf ist, kommt an einem Besuch nicht vorbei. Über 260 Bars, Cafés und Kneipen reihen sich in den kopfsteingepflasterten Gassen aneinander. Wer feiern möchte, kann dies zu sämtlichen Musikrichtungen tun. Als Start in den Abend empfiehlt sich der Besuch einer der Altbierbrauereien Schlüssel, Uerige, Füchschen, Schumacher oder Schlösser. Hier gibt es neben leckerem Bier rheinische Hausmannskost und sorgt für eine gute Grundlage. Die ist mitunter auch nötig, denn das Bier wird kontinuierlich ohne Bestellung nachgereicht. Es sei denn, man legt den Bierdeckel auf sein Glas. Dann weiß der Köbes, dass der Gast eine Trinkpause braucht.  

Als Kultkneipe unter jungem Publikum hat sich das Kürzer etabliert. Wer in der Kurzen Straße nach einer Menschentraube Ausschau hält, landet automatisch hier. Nebenan ist das Schaukelstühlchen ein weiterer Anlaufort für feuchtfröhliche Abende. Eigentlich immer Happy Hour hat das Carino nur ein paar Schritte weiter. Die Cocktailkarte hat für jeden Geschmack gleich mehrere Varianten parat. 

Etwas älteres, aber gleichwohl feierwilliges Publikum zieht das Naseband`s an der Mühlenstrasse an. Die Kneipe gehört dem Schauspieler Michael Naseband, der seine Gäste mit zeitloser Musik und guten Drinks zu unterhalten weiss. Freunde von Elektromusik treffen sich im Oh Baby Anna. Aktuelle Charts und Partymusik findet sich im Rosenrot auf der Ratinger Strasse. Hier ist auch eine Vielzahl an Kneipen zu finden. An lauen Abenden steht man bis tief in der Nacht draußen zusammen und trinkt sein Alt.  

Dem Paradies so nah

Bei heißen Temperaturen zieht es die Düsseldorfer ans Wasser. Auch wenn man auf keinen Fall im Rhein baden sollte, so kommt am Paradiesstrand echtes Urlaubsfeeling auf. Das Naturschutzgebiet mit seinen kleinen Buchten ist über eine Fussgängerbrücke vom Medienhafen aus erreichbar. Dort ein paar Stunden im Sand liegen und den vorbeifahrenden Containerschiffen zuschauen und schon fühlt man sie wie nach einem Kurzurlaub. Aber Achtung: Es gibt weder Toiletten noch eine Infrastruktur.  

Zentraler gelegen und mit ebenso schönem Ausblick auf das Wasser locken die Rheinwiesen Groß und Klein nach draußen. Das Publikum ist bunt gemischt: Neben Junggesellenabschieden, Outdoor-Sportlern und Familientreffen lassen sich Paare oder kleine Grüppchen nieder, werfen den Grill an oder dösen einfach in der Sonne. Der Durst lässt sich im Biergarten an den Rheinterrassen stillen oder am kultigen Fortuna Büdchen, dass vor und nach Heimspielen der Fortuna Düsseldorf zum Treffpunkt für Fussballfans mutiert. Auch einige Strandbars haben sich in den letzten Jahren am Robert-Lehr-Ufer angesiedelt.  

Raus ins Grüne 

Düsseldorf ist eine pulsierende Metropole. Dabei aber so klein, dass man mit dem Rad nur etwa 20 Minuten entlang des Rheins radeln muss, um mitten in unberührter Natur zu sein. Vom Startpunkt Burgplatz aus geht es mit einem der überall in der Stadt aufzufindenden Mietfahrräder Richtung Norden an den Rheinweisen vorbei Richtung Messe und Flughafen. Kurz nach dem Messegelände erstreckt sich der Lohauser Deich und die Geräusche der Stadt verstummen. Immer am Wasser entlang führt der Weg Richtung Kaiserswerth. Der Biergarten «Alte Rheinfähre» bietet sich für eine Rast an. Frisch gestärkt geht es weiter bis zur Kaiserpfalz Kaiserswerth, die einen Abstecher lohnt. In Kaiserswerth schließlich angekommen, kann man durch die kleinen Gassen bummeln, sich mit der U-Bahn auf den Rückweg machen oder aber die Rheinfähre nutzen, um auf die andere Seite des Flusses zu gelangen und dort Richtung Innenstadt zurückzufahren. 

Wer Düsseldorfs Süden erkunden möchte, fährt flussabwärts und durch den Medienhafen Richtung Volmerswerth, Flehe und Himmelgeist. Diese Stadtteile haben ihren ursprünglichen Dorfcharakter kaum verloren. Dem Volmerswerther Deich folgend können die Radfahrer zahlreiche Gärtnereien erblicken. Es wird immer ländlicher während man am Rhein entlang radelt und durch den Stadtteil Flehe. Wer Hunger und Durst verspürt, kann beides im gemütlichen Biergarten Landgasthaus Krevet in Himmelgeist stillen. An heissen Tagen locken die Naturstrände Himmelgeist. Wer noch Puste in Lunge und Reifen hat, kann sich auf den weiteren Weg Richtung Benrath machen und sich den Park des antiken Schlosses anschauen. Für alle anderen bieten der Botanische Garten und der angrenzende Südpark einen kleinen Abstecher für den Rückweg.  

Programm bei Regenwetter 

Düsseldorf ist nicht nur Landes-, sondern auch eine Kulturhauptstadt! Einen Schwerpunkt auf Kunst setzen zum Beispiel die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, das Museum Kunstpalast und die Kunsthalle. Keramikgeschichte gibt es im Hetjens Museum zu besichtigen. Moderner sind die Ausstellungen im KIT (Kunst im Tunnel) und im Filmmuseum. Oldtimerfreunde können Stunden in der Classic Remise zubringen. Im ehemaligen Ringlokschuppen sind 300 Fahrzeuge ausgestellt, die kostenlos bestaunt werden dürfen. Familien zieht es bei Schlechtwetter in den Aqua-Zoo, in dem es Fische, Amphibien und andere Tiere zu bestaunen gibt. 

Natürlich lässt sich auch bei Regen wunderbar in der Landeshauptstadt shoppen. Ob im Luxuskaufhaus Breuninger, der Kö Galerie oder den Shadow Arkaden: Hier können Kaufwillige trockenen Fußes ohne Probleme einen ganzen Nachmittag verbringen. Viele Modeketten, Deko- und Schuhläden finden sich auch in den Bilker Arcaden im gleichnamigen Stadtteil. Ein kleiner Geheimtipp, gerade an Sonn- und Feiertagen, sind die zahlreichen Shops und Restaurants am Flughafen.  

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Über die Autorin: Anne-Lena Scherrer

Der Name ist Programm: Auf ihrem Instagram-Profil @chronisch_urlaubsreif lässt die die Journalistin ihre Follower an ihren grossen und kleinen Ausbrüchen aus dem Alltag teilhaben. Ob Ausflüge rund um den Bodensee und ihrer neuen Heimat in der Schweiz, Städtetrips in Europas Metropolen oder Fernreisen zu den schönsten Orten der Welt – zu zeigen und zu erzählen gibt es immer etwas. 

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