von Vanessa S.
Manchmal ruft das Abenteuer nach uns, auch wenn wir es nicht erwarten. Kanada war für mich genau so eine Reise – weit weg von meiner gewohnten Vorstellung eines perfekten Urlaubs und dennoch eine Überraschung mit vielen schönen Erinnerungen. Außerdem schloss ich diese Reise mit einer wertvollen Erkenntnis ab: In Zukunft möchte ich mich vorab intensiver mit der Geschichte eines Reiselandes und vor allem den Menschen vor Ort beschäftigen.
Ich will ehrlich sein: Mein idealer Urlaub sieht normalerweise so aus – es ist warm, ich liege entspannt am Strand, schlürfe einen Eiskaffee nach dem anderen und vertiefe mich in ein gutes Buch. Klar, ab und zu darf es auch mal actionreich werden – Surfen, Quad fahren oder Wildwasser-Rafting sind durchaus willkommen – aber im Grunde bin ich eher der gemütliche Typ, der es im Urlaub sehr entspannt angehen lässt. Deshalb war meine Reise nach Kanada für mich eine kleine Herausforderung, bei der ich meine Komfortzone verlassen habe. Und wer hätte das gedacht? Ich habe es nicht bereut, denn was mich erwartete, waren wirklich atemberaubend schöne Landschaften, wie ich sie zuvor noch nicht gesehen hatte. Die Region um Banff und Canmore in Kanada ist ein wahrer Traum für alle Naturliebhaber. Eingebettet in die majestätischen Rocky Mountains, umgeben von smaragdgrünen Seen, endlosen Wäldern und herausragenden Berggipfeln, bietet diese Gegend eine spektakuläre Kulisse, die einem den Atem raubt. Aber darum soll es in diesem Artikel tatsächlich gar nicht gehen.
Auf dieser Reise traf ich einige interessante Persönlichkeiten, doch eine von Ihnen ist mir ganz besonderes in Erinnerung geblieben: Heather Black. Ihr indigener Name lautet O´takii Tsowakii und sie stammt aus der Blood Tribe Nation, einer der First Nations in Kanada und Teil der Blackfoot Konföderation, die bis heute eine wichtige Rolle in der Förderung und Erhaltung der indigenen Kultur und der Rechte ihrer Mitglieder spielt. Heather ist die Gründerin und Eigentümerin von “Buffalo Stone Woman”, einem Tourismusunternehmen, das geführte Wandertouren in den Rocky Mountains anbietet. Der Buffalo Stone, von dem ihr Name stammt, hat eine tiefe spirituelle Bedeutung für die Blackfoot Nation und ist ein Symbol für die Beziehung zwischen den Blackfoot und den Büffeln, die damals für das Überleben dieser Gemeinschaft von entscheidender Bedeutung waren. Heather engagiert sich auch für die wirtschaftliche Entwicklung indigener Unternehmer und Gemeinden und bietet Workshops und strategische Beratung in den Bereichen Wirtschaft und Bildung an.
Heather Black ist eine von nur drei indigenen Tourguides in Canmore und die einzige Frau unter ihnen. Trotz der Tatsache, dass indigene Völker das Land seit Jahrtausenden kennen und pflegen, spiegelt sich dieses Wissen also kaum in der Tourismusbranche wider. Sie sieht es daher als ihre Aufgabe, nicht nur das Wissen über die Natur weiterzugeben, sondern auch die Geschichten und Lehren ihrer Vorfahren – vor allem die ihrer Großmutter, Susie Day Chief. Ihre Wanderungen sind somit nicht nur Erlebnisse in der Natur, sondern auch Lehrstunden in Sachen Respekt, Widerstandsfähigkeit, Spiritualität und Dankbarkeit. Selten habe ich eine Person getroffen, die zugleich eine unglaubliche Freundlichkeit und enorme Stärke ausstrahlt. Mit ihren Worten hat sie mich tief berührt und Ihre Erläuterungen zum Begriff “Erfolg” und “Dankbarkeit” sind mir ganz besonders in Erinnerung geblieben.
Heather stellte uns eine einfache, aber tiefgreifende Frage: “Was bedeutet Erfolg für euch?” Sie erklärte uns, dass Erfolg nichts mit einem Titel, einer Karriere oder einer Gehaltsklasse zu tun haben muss. Für sie bedeutet Erfolg, etwas zu erreichen, das man von Herzen möchte – egal, ob es sich dabei um eine persönliche Herausforderung, ein geistiges Wachstum oder die Verwirklichung eines Traums handelt. Erfolg also ist nicht auf den beruflichen Kontext beschränkt, sondern ist tief verwurzelt in allen Facetten unseres Lebens, in den Momenten, die uns wirklich erfüllen.
Heather erinnerte uns daran, dass Glück und Erfolg im Einklang mit unseren tiefsten Wünschen stehen. Sie brachte uns zum Nachdenken über die Dinge, die uns wirklich erfüllen – fernab von der Welt des beruflichen Drucks und der gesellschaftlichen Erwartungen. Und plötzlich schien Erfolg nicht mehr wie etwas, das man messen kann, sondern wie etwas, das man tief in sich spürt, wenn man das tut, was man liebt.
Heather’s Botschaft über Dankbarkeit ist tief verankert in der traditionellen Beziehung der Blackfoot Nation zur Erde und ihren Ressourcen. Sie erklärt uns, Dankbarkeit sei nicht nur ein Gefühl, sondern eine Haltung, die sich zum Beispiel im Respekt gegenüber der Natur und allen Lebewesen zeigt. Dankbarkeit besteht nicht darin, etwas zu besitzen, sondern darin, etwas zu verstehen und zu wertzuschätzen – sei es die Schönheit der Natur, die Lehren der Vorfahren oder die einfachen, alltäglichen Dinge, die uns das Leben bietet. Heather hat mir gezeigt, öfter mal innezuhalten und die kleinen Momente des Glücks zu würdigen – Sei es ein schöner Sonnenuntergang, das Lächeln eines Fremden oder der Genuss einer guten Mahlzeit.
Es ist bemerkenswert, wie die Kultur der Indigenen trotz der schweren Geschichte von Kolonialisierung, Unterdrückung und Diskriminierung von Werten wie Freundlichkeit, Toleranz und Resilienz geprägt ist. Trotz des Traumas der Assimilierung des 19. Jahrhunderts, als in sogenannten Residential Schools versucht wurde, Indigenen ihre Kultur, Spiritualität und Sprache zu nehmen, haben es viele indigene Völker Kanadas geschafft, diese zu bewahren. Was jedoch besonders beeindruckt, ist die Offenheit und der Respekt, den viele indigene Gemeinschaften anderen Menschen entgegenbringen – unabhängig von Herkunft oder Hintergrund. Statt sich in dem Hass der Vergangenheit zu verlieren, setzen sie sich häufig für die Versöhnung und den Dialog ein, um Verbrechen der Vergangenheit aufzuarbeiten und einen respektvollen Weg für die Zukunft zu finden.
Heather hat uns gezeigt, dass indigene Werte wie Gemeinschaft, Verbundenheit mit der Natur und Harmonie viele Ihrer Kulturen bis heute prägen. Diese Werte von Toleranz und Freundlichkeit gegenüber anderen sind nicht nur eine Demonstration innerer Stärke, sondern auch ein Zeichen dafür, dass der Wunsch nach Versöhnung und Heilung selbst tiefe Wunden der Vergangenheit überdauern kann.
Den Artikel findet ihr auch in unserer Ausgabe Winter 2024 – in print oder digital.
Heathers Website: buffalostonewoman.ca
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Ein großer Dank geht auch an Rachel Ludwig, die 2003 aus Deutschland nach Kanada ausgewandert ist, inzwischen CEO von Tourism Canmore Kananaskis und somit für alle deutschen Tourist:innen vor Ort die perfekte Ansprechpartnerin ist.
Website: www.explorecanmore.ca
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Weitere Hilfreiche Links über die Region Albertra, Kanada:
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Vanessa ist Medienschaftlerin, Storytellerin und Marketing-Expertin mit einem besonderen Gespür für inspirierenden und bewegenden Content. Seit September 2022 arbeitet sie für unser Reisemagazin als Marketingmanagerin, Journalistin, Redakteurin und Autorin.
Schau gerne mal auf ihrer Website vorbei: www.clickandtell.de
Bildnachweise: Kirsten Bungart, Blaire Russell Photography, Vanessa S., Heather Black, Jed Wakefield-Coombes
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