von Cindy Kögel & Christian Kögel
Noch verzaubert von diesem Naturphänomen hüpften wir wieder in unseren Jeep und setzten die Fahrt weiter fort. Wir passierten die Steinwüste Salvador Dali, die uns mit einer staubigen, wundersamen Landschaftsszenerie begrüßte. Beim Anblick dieser fast schon surrealen Landschaft wurde uns schnell klar, warum diese Wüste den gleichen Namen trägt, wie der katalanische Künstler Salvador Dali. Dieser Ort gleicht nahezu einem Kunstwerk. Zur Mittagszeit erreichten wir unseren dritten Stopp des Tages, die Termas de Polques am Salar de Chalviri, ein von vulkanischem Wasser gespeistes Thermalbecken inmitten des zentralen Hochlands von Bolivien. Wir schlüpften in unsere Badekleidung und ehe wir uns versahen, genossen wir bereits die wohltuende Wärme des fast 30 Grad warmen Thermalbeckens sowie die spektakuläre Aussicht auf die Laguna Chalviri, die im Sonnenlicht in allen erdenklichen Blautönen erstrahlte. In der Ferne erblickten wir wieder eine Gruppe Flamingos, die im gemächlichen Tempo die Lagune durchquerten. Erfrischt durch das Bad und gestärkt vom Mittagessen stand nun unsere letzte Tagesetappe an. Es ging zum höchstgelegenen Geysirfeld der Welt, den „Sol de Mañana“. Bereits an der Laguna Chalviri, wo wir unser heißes Bad genossen hatten, befanden wir uns auf einer Höhe von knapp 4400 Metern. Nun sollte es innerhalb weniger Minuten auf eine Höhe von knapp 5000 Metern über dem Meeresspiegel gehen. Über die Sandpiste der kargen Wüstenlandschaft ging es mit dem Jeep Richtung Sol de Mañana und nach nur wenigen Minuten sahen wir bereits aus der Ferne die dichten Dampfschwaden der Geysire gen Himmel emporsteigen. Was uns gleich für ein Naturschauspiel erwarten würde konnten wir nur erahnen, doch als wir ankamen wurden unsere Erwartungen und Vorstellungen von diesem mächtigen Ort bei weitem übertroffen. Wir öffneten die Wagentüren und sofort stieg uns ein leicht stechender Schwefelgeruch in die Nase. Zusammen mit unserem Guide George machten wir uns fußläufig auf den Weg zu den Geysiren. Der Name „Sol de Mañana“ bedeutet übersetzt, Morgensonne. Der Name rührt daher, dass die Geysire in den Morgenstunden noch eine viel größere vulkanische Aktivität aufweisen als zu anderen Tageszeiten. Da wir die Tour allerdings von Chile aus gestartet hatten, war unser Besuch für den späten Nachmittag vorgesehen. Doch die Uhrzeit hatte diesem Naturschauspiel keinen Abbruch getan, denn die vulkanischen Aktivitäten die sich vor unserem Auge boten, waren mehr als beeindruckend. Unsere Blicke schweiften über die rot-orange Marslandschaft, die einen einzigartigen Kontrast zum azurblauen Himmel lieferte. Neben uns brodelte und blubberte es aus den Erdlöchern, es zischte und rauchte wohin wir auch blickten. Immer wieder zogen dichte, nach Schwefel riechende Dampfschwaden an uns vorbei. An diesem Ort fühlte man sich wie kurz nach der Entstehung der Erde oder wie auf einem weit entfernten Planeten. So sehr uns dieser Ort faszinierte und wir gerne noch länger geblieben wären, machte sich bereits nach kurzer Zeit bei mir die Höhenkrankheit bemerkbar. Plötzlich auftretende, stechende Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit quälten mich und wir beschlossen daraufhin so schnell wie möglich die extreme Höhe zu verlassen und zu unserer ersten Unterkunft aufzubrechen. Unser Guide war perfekt auf solche Situationen vorbereitet und versorgte mich umgehend mit einem Sauerstoffgerät und den nötigen Tabletten um der aufkeimenden Höhenkrankheit sofort entgegen zu wirken. Der Höhenkrankheit zu verfallen ist in dieser Gegend keine Seltenheit. Bereits bei einer Höhe von mehr als 2000 Metern kann sie auftreten. Aufgrund des relativ schnellen Anstiegs von den anfänglich 3000 Metern bis schlussendlich fast 5000 Metern am Geysirfeld kann bei einigen Menschen zu einem Sauerstoffmangel im Blut führen, was der Körper nicht mehr selbstständig ausgleichen kann. Deshalb ist es umso wichtiger, dass die Tourguides für solche Situationen geschult und bestens vorbereitet sind um sofort Abhilfe schaffen zu können. Nach einer doch eher schlaflosen Nacht, was bei diesen Höhenlagen nicht ungewöhnlich ist, ging es für uns am nächsten Morgen direkt nach dem Frühstück zu einer der wohl schönsten Lagunen, die der Altiplano in Bolivien zu bieten hat. Noch von leichten Nebelschwaden überzogen erreichten wir im sanften Morgenlicht die rot-leuchtende Laguna Colorada. Auch dieses Mal wurden wir bereits aus der Ferne von dem wilden Geschnatter der Flamingos begrüßt. Doch diesmal sahen wir gleich ganze Schwärme von Flamingos, die im blutroten Wasser der Lagune nach Nahrung suchten. Auch hier sind spezielle Algen und Mineralien für die Färbung des Wassers verantwortlich. Wir liefen zunächst entlang des Ufers und beobachteten gespannt das Treiben der Flamingos, bevor wir nach einem kurzen Aufstieg einen Aussichtspunkt erreichten, der uns die volle Pracht der Laguna Colorada offenbarte. Zusammen mit unserem Guide waren wir hier die einzigen Touristen zu dieser Uhrzeit und durften diesen atemberaubenden Ausblick in vollkommener Stille genießen. Der knapp 60 Quadratkilometer große See ist eingebettet in eine staubige Salz- und Wüstenlandschaft. Zusammen mit den braunroten Berggipfeln der Anden und dem leuchtend blauen Himmel wurde uns hier wieder ein einzigartiges Farbenspiel geboten. Ein Anblick, als würde man durch ein Bilderbuch blättern.
Immer noch sprachlos und überwältigt von dieser landschaftlichen Schönheit ging unsere Fahrt durch das zentrale Hochland von Bolivien weiter. Wir durchquerten die Siloli Wüste, die besonders für ihre bizarren Felsformationen, die im Laufe der Zeit durch Winderosionen entstanden sind, bekannt ist. Eine der berühmtesten Felsformationen ist der „Arbol de Piedra“, ein Fels in Form eines Baumes. Während der Fahrt kreuzten wilde Vincunas, ein Wüstenfuchs und ein Viscacha, was eine Nagetierart aus der Familie der Chinchillas ist, unseren Weg. Unglaublich, welche Tierwelt diese doch eher karge Wüstenlandschaft beherbergt. Unser Weg führte uns aus der Wüste heraus und vorbei an weiteren traumhaften Lagunen, die uns wieder mit ihrer Farbenpracht einfach verzauberten. Mit der festen Überzeugung, dass wir schon die schönsten Lagunen auf unserem Weg gesehen hatten und es eigentlich nicht mehr besser werden konnte, erreichten wir die letzte Lagune auf unserem Roadtrip, die Laguna Hedionda, die uns mit ihrem Anblick nochmal so richtig sprachlos machte. Mit Abstand der wohl schönste Ort, den wir auf all unseren Reisen gesehen haben. Diesmal hatten wir sogar das Glück und konnten alle drei Flamingoarten (Anden-, James- & Chileflamingo) bestaunen. Mit einem grandiosen Panoramaausblick aßen wir zu Mittag, genossen noch ein letztes Mal diesen beeindruckenden Ausblick auf die Lagune und die abertausenden Flamingos, bevor wir uns auf den Weg zu unserer Unterkunft machten, die am Rande der Salzwüste Uyuni lag und komplett aus Salz erbaut wurde.Am letzten Tag unserer Abenteuerreise durch das Hochland Boliviens wartete ein absolutes Highlight auf uns. Wir besuchten die weltweit größte Salzwüste, die Salar de Uyuni. Der Moment als wir mit unserem Jeep auf den schier endlos weißen Salzteppich des größten Salzsees der Welt fuhren, war kaum in Worte zu fassen. Der größte Salzsee der Welt umfasst eine Fläche von über 12.000 Quadratkilometer und während der Sommermonate ist der See von einer meterdicken Salzkruste überlagert und überall am Boden bildet sich ein Hexagon förmiges Muster. In den Wintermonaten (Dezember – März) wird der Salzteppich aufgrund der starken Regenfälle fast komplett überflutet und verwandelt diesen Ort in den
größten Spiegel der Welt. Ein Schauspiel, welches wir bei unserem nächsten Bolivienbesuch definitiv noch erleben möchten. Unser erster Stopp des Tages war die Insel „Incahuasi“, die aus ehemaligen Vulkanen entstand und sich im Herzen der Salar de Uyuni befindet. Unser Guide führte uns über die Insel und wir kamen aus dem Staunen mal wieder nicht heraus, denn die komplette Insel ist übersät mit meterhohen und über mehrere 1000 Jahre alten Säulenkakteen. Unglaublich, aber die Kakteen erreichten teilweise Höhen von bis zu 20 Metern. Doch das ist noch bei weitem nicht alles was die Insel zu bieten hat. Auch Jahrtausende alte Korallenbänke kann man hier entdecken, denn dieses einzigartige Fleckchen Erde war einst vom Ozean bedeckt und vollkommen unter Wasser. Was bei einer Reise in die Salar de Uyuni auf keinen Fall fehlen darf sind die einfallsreichen Fotoaufnahmen. Die spiegelglatte Oberfläche der Salzwüste ist eine unglaubliche Kulisse für Fotos und lädt förmlich zum Spielen mit der Perspektive ein. Auch wir hatten einen riesigen Spaß uns an den unterschiedlichsten Fotoposen und Perspektiven auszuprobieren. Bevor wir uns zum Eisenbahnfriedhof in der Nähe der Stadt Uyuni aufmachten, genossen wir noch ein exklusives Mittagessen inmitten der Salzwüste. Ein Tisch, das Essen, wir und die endlose Salzwüste, also diese Umgebung kann kein Restaurant der Welt toppen, da sind wir uns einig. Gegen Spätnachmittag erreichten wir die Ausläufe der Salar de Uyuni und steuerten geradewegs auf unser letztes Ziel zu, den Eisenbahnfriedhof. Hier trafen wir auf uralte, teilweise bis zu 100 Jahre alte Lokomotiven und ausrangierte Waggons, die uns einmal mehr das perfekte Fotomotiv lieferten. Angekommen in der weniger einladenden Stadt Uyuni, hieß es für uns nun Abschied nehmen, denn unsere abenteuerliche Reise durch Bolivien ging zu Ende. Mit unvergesslichen Erinnerungen im Gepäck verabschiedeten wir uns von George und Poly, genossen noch einen köstlichen Café und machten uns dann auf den Weg zum Flughafen, wo wir den Flug in unser nächstes Abenteuer antraten. Abschließend können wir mit Sicherheit sagen, Bolivien hat unser Herz im Sturm erobert und uns mehr als einmal sprachlos gemacht. Wir haben auf unseren ganzen Reisen rund um den Globus selten eine so traumhaft schöne Landschaft gesehen, wie auf dieser Reise. Für uns war dieser 3-tägige Tripp durch das bolivianische Hochland und die Salar de Uyuni eines der eindrucksvollsten Erlebnisse unserer ganzen Zeit. Wir können nur jedem dieses Erlebnis empfehlen. Die Eindrücke bleiben fürs Leben.
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