Die deutsche Fachwerkstrasse

Genuss, Kultur & Erholung

Die größte Kunstgalerie liegt im Stockholmer Untergrund

Zwischen Pendlern & Reisende finden Liebhaber von Kultur und Kunst die wohl größte Kunstgalerie in Stockholm – in der U-Bahn

Neben den vielen tollen Sehenswürdigkeiten, die Stockholm an seiner Oberfläche zu bieten hat, gibt es in den U-Bahnhöfen indes wahre Schätze zu entdecken. Beim Bau der U-Bahn, die Anfänge gehen auf das Jahr 1931 zurück, wurden die Bahnhöfe und die Gänge teilweise aus dem blanken Stein geschlagen. Dadurch sind unter anderem wahre Höhlen entstanden, die auf Pendler und Touristen gleichermaßen wenig einladend wirkten. In den folgenden Jahrzehnten wurde das Streckennetz der jetzigen drei Linien, die Rote, die Blaue und die Grüne Linie, die sich jeweils noch weiter unterteilen, auf etwa 105 Kilometer ausgeweitet. Annähernd 65 Prozent davon verlaufen unterirdisch.

Infolge eines Wettbewerbs wurde bereits ab 1957, beginnend mit der Station T-Centralen, mit der Verschönerung des Untergrunds begonnen. 90 der 100 Bahnhöfe der U-Bahn, auf schwedisch tunnelbana, sind mittlerweile individuell und vornehmlich durch lokale Künstler ausgestaltet worden. Größtenteils einfach nur atemberaubend: Mosaike, Malereien, Statuen, Installationen… – annähernd 150 Künstler haben sich in den Stationen derart verewigt und ihren künstlerischen Ambitionen freien Lauf gelassen. Der Eigentümer, die AB Storstockholms Lokaltrafik (SL), hat dabei den Künstlern sehr viele Freiheiten gelassen, so dass das Ergebnis eine unglaubliche Vielfalt widerspiegelt. Die tunnelbana zählt daher heute zu einer der größten Kunstgalerien der Welt.

Ein unterirdischer Regenbogen, eine Pixelwelt wie aus den Computerspielen der 80-iger Jahre oder eine glühende Felsenhöhle erwarten den Besucher im Stockholmer Untergrund. Normalerweise hält man sich in einer U-Bahnstation ja nicht lange auf, aber ich kenne auch keine andere Stadt, die Ihren Untergrund so charmant hergerichtet hat. Mit ihrem Beitrag und ihren teils atemberaubenden Werken haben die zahlreichen Künstler ihren Beitrag für eine der längsten und sicherlich auch ungewöhnlichsten Kunstgalerien der Welt geleistet.

Auf der blauen Linie taucht man in die Felsenwelt ab. Die Station Rådhuset lässt euch unter einer massiven, rötlichbraun schimmernden Felsendecke zwischen massiven Säulen staunen und gibt euch das Gefühl zu Gast in einer richtigen Höhle zu sein. Zusammen mit dem Licht und den Rolltreppen wird eine einzigartige Atmosphäre zwischen „ganz weit unter der Erde“ und der Moderne geschaffen.

Die grüne Linie nimmt dich mit auf eine kleine Zeitreise und bringt dich direkt in eine verpixelte Welt. Hergestellt aus vielen kleinen Kacheln begrüßen dich kleine Monster, freundliche Wolken und eine 80-iger Jahre Videospielwelt.

Die rote U-Bahnlinie entführt dich in eine bunte Unterwelt und macht dort den Ritt auf einem Regenbogen möglich. Die Station Stadion lässt dich direkt unter die Farben abtauchen und bringt dir ohne Vorwarnung eine große Portion Glücksgefühl. Die Farben und die Gestaltung lassen dich nur noch auf die Glücksbärchis warten, die allerdings, soviel kann ich verraten, nicht zu Stockholms Kultur gehören. Dafür kannst Du an der Station Tekniska högskolan mit dem Regenbogen wieder nach oben an die Oberfläche gleiten.

Solltest du zu Besuch in Schwedens Hauptstadt sein, dann organisiere dir unbedingt ein Ticket für die U-Bahn und geh auf Entdeckungstour an diese versteckten Orte. Du hast die Wahl dies auf eigene Faust zu tun oder an einer geführten Tour (werden teilweise auch kostenlos angeboten) teilzunehmen. Es lohnt sich und die Schätze unter der Stadt liegen definitiv nicht auf der gewöhnlichen Sightseeingroute.

„Entdeckungen am Atlantik“

Herbst 2020

Cover der Herbstausgabe 2020

Corona hält die Welt weiterhin fest in seinen Klauen, die Art und Weise zu Reisen ändert sich. „Overtourism“ verschwindet zusehends und wir blicken mehr auf Orte vor unserer eigenen Haustür. Wir lernen „bewusster“ zu verreisen, daher zeigen wir dir in unserer Herbstausgabe Alternativen zu den großen Urlaubsorten, welche auch trotz Epidemie besucht werden können, wie die Atlantikküste Frankreichs, einer Radtour über die Nordsee-Inseln einem Thermenurlaub in Bayern.

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