Die Anreise in Girona

Zwei Mal war ich in den letzten Jahren in Girona und jedes Mal packt mich diese wunderschöne kleine Stadt im Norden Kataloniens mehr. In Girona kann man so viele unterschiedliche Dinge an einem einzigen Tag erleben oder ganz einfach in das Leben der Einheimischen eintauchen. Diese Mischung aus Sightseeing, Gefühl und Seele baumeln lassen ist, glaube ich, genau das, womit mich Girona so gepackt hat.

 

Die Stadt ist hervorragend auch ohne Auto zu erreichen. Bei meinem ersten Besuch dieser schönen katalanischen Stadt 2018 habe ich Urlaub an der südlichen Costa Brava gemacht. Von dort aus konnte ich in 1,5 Stunden ganz bequem mit dem Zug anreisen. Da der Bahnhof sehr zentral liegt, ist es möglich von dort ab die Stadt zu erkunden. Girona verfügt sogar über einen eigenen Flughafen, der in der Sommersaison auch aus Deutschland angeflogen wird. Da von hier auch Überlandbusse überallhin und an die nördliche und südliche Costa Brava fahren, kann man einen Badeurlaub auch mit ein bisschen Shopping und Sightseeing beginnen oder beenden. Girona ist eine mittelgroße katalanische Stadt, die touristisch durchaus erschlossen ist. Daher ist es kein Problem, hier ein kleines Hotel, eine Pension, ein AirBnB oder eine Ferienwohnung zu finden. Es gibt verschiedene Camping- und Wohnmobilstellplätze. Bei meinem letzten Aufenthalt dort, standen wir mit dem Wohnmobil auf einem Platz mitten in der Stadt. Ein automatisierter Stellplatz, nicht besonders hübsch, doch das große Plus ist seine Nähe zur Altstadt, Shoppingmeile und dem Park, ideal, wenn man mit Hund unterwegs ist.

Die Altstadt von Girona

Entgegen meiner Gewohnheit habe ich mich bei meinem ersten Besuch überhaupt nicht in die Besonderheiten der Stadt eingelesen. Ich erwartete wenig. Vielleicht war genau das der Grund dafür, dass ich mich auf dem Weg vom Bahnhof in die Altstadt in diese hübsche kleine Stadt schockverliebt habe. All die bunten Häuser, die sich im Onyar spiegeln, einfach zauberhaft. Die von Gustave Eiffel konzipierte rote Stahlbrücke, die Pont de les Peixateries Velles, führt von der Neustadt in die Altstadt, Sie ist ein beliebtes und begehrtes Fotomotiv, weshalb es gar nicht so einfach war, einigermaßen vernünftige Bilder zu machen. Überhaupt bieten die vielen Brücken immer wieder unterschiedliche und spannende Perspektiven auf die Stadt.

 

Die Altstadt, das Barri Vell, verläuft ansteigend, begrenzt durch den Fluss Onyar auf der einen und die Stadtmauer auf der anderen Seite. Gekrönt wird sie durch die Kathedrale. Es ist nicht schwer, sich in den verwinkelten Altstadtgassen zu verlieren, zu bummeln und einfach zu staunen. Inmitten des Gassengewirrs befindet sich das alte jüdische Viertel (El Call). Girona hatte zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert nach Barcelona, die zweitgrößte jüdische Bevölkerung Spaniens. Bis heute ist es eines der am besten erhaltenen jüdischen Viertel Europas, obwohl die jüdische Bevölkerung bereits 1492 vertrieben wurde. In der letzten noch erhaltenen Synagoge gibt es eine interessante Ausstellung dazu. Hinter jeder Ecke der Altstadt gibt es etwas Neues zu entdecken und manchmal fühlte man sich direkt ins Mittelalter zurückversetzt. Auch ohne es zu wissen, kann man sich gut vorstellen, dass viele Szenen der 6. Staffel von ‚Game of Thrones‘ hier gedreht wurden.

Kathedrale Santa Maria

Die Kathedrale Santa Maria stellt den höchsten Punkt der terrassenförmigen Bebauung der Altstadt dar und ist das dominierende Bauwerk der Stadt, ganz gleich aus welcher Richtung man auf sie schaut. Meine Besuche der Kathedrale hätten nicht unterschiedlicher sein können. 2018 stellte ich mich, da ich Kirchen und Kathedralen liebe, natürlich in die lange Schlange der Wartenden, um die Kathedrale Santa Maria besuchen zu können. Ihr Bau begann im 11. Jahrhundert, vollendet wurde sie aber erst im 18. Jahrhundert. Sobald man das Bauwerk betritt, raubt der mächtige Saalbau einem erst mal den Atem. Das Kirchenschiff ist, nach dem Petersdom, das zweitgrößte der Welt und mit 23 Metern das breiteste überhaupt. Besonders beeindruckend sind der Hochaltar mit seinem silbern schimmernden Baldachin und natürlich der Schöpfungsteppich. Auch nach zwei Stunden in der Kathedrale habe ich noch nicht alle Schätze gesehen und die Katakomben ganz ausgelassen.

 

Vor der Kathedrale steht man am Ende der mächtigen Treppe, die viele ebenfalls aus „Game of Thrones“ kennen. Von hier aus hat man einen wahnsinnigen Blick auf die Stadt. Auf den Stufen zu sitzen und all den Touristen zuzusehen, wie sie versuchen, von sich und der Kathedrale oder von der gesamten Treppe Selfies zu machen – herrlich! Bei meinem zweiten Besuch im Mai dieses Jahres, noch mit den Auswirkungen der Coronapandemie, zeigt sich ein ganz anderes Bild. Die Kathedrale ist geschlossen und ich hatte die Treppe ganz für mich allein. Auch herrlich – aber auf eine ganz andere Art.

 

Nahe der Kathedrale befinden sich die arabischen Bäder, die Banys Àrab. Mein erster Gedanke war, dass es sich um eine Badeanlage aus der Zeit der Mauren handelt. Tatsächlich wurden die Bäder erst im 12. Jahrhundert für die christlichen Bewohner der Stadt errichtet. Es handelt sich um römische Bäder, die lediglich den typisch nordafrikanischen Bädern und deren Baustil nachempfunden sind. Da sie sehr gut erhalten sind, gibt es auch hier viele kleine und große Details zu entdecken. Weil sie die einzigen ihrer Art auf der iberischen Halbinsel sind, wurden sie in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zum Baudenkmal erhoben. Weiter geht‘s auf einen Spaziergang auf der Stadtmauer, Passeig de la Muralla. Der lohnt sich tatsächlich bei jedem Wetter. Auf der sehr gut erhaltenen Mauer, welche fast die gesamte Altstadt von Girona umschließt, kann man die Stadt aus vielen Perspektiven sehen. Der Spaziergang dauert ungefähr eine Stunde. Besonders schön und beeindruckend ist dieser Weg abends, wenn die Stadtmauer beleuchtet ist.

Der Natur ganz nah

Außer Sightseeing, Flair und (Film-)Geschichte atmen, bietet Girona noch viel mehr. Abgesehen vom Umland, das einige kleine Naturreservate und Nationalparks zu bieten hat, habe ich noch folgende Tipps für Girona: Diejenigen, die auf dem oben beschriebenen Wohnmobilstellplatz stehen, sollten unbedingt den Parc de la Devesa erkunden, nur ungefähr fünf Gehminuten entfernt. Hier kann man wunderschön zwischen unglaublich hohen und alten Platanen spazieren gehen, joggen oder einfach nur Luft holen. Jeden Samstag und Dienstag findet hier ein Markt statt. Es gibt unzählige Foodstände, die jedem Hobbykoch, die Freudentränen in die Augen treiben werden. Am Rand des Parc de la Devesa befindet sich ein kleiner wunderschöner Botanischer Garten, der El Jardins de la Devesa. Ein Besuch ist absolut lohnend.

 

Auf keinen Fall fehlen darf ein Restaurantbesuch in einem der vielen Häuser rund um die Placa de la Independència. Rund um die Placa gibt es zahlreiche Arten von Restaurants mit nationalen und internationalen Speisen, so dass man auf jeden Fall etwas für seinen Geschmack findet. Da sich hier eben nicht nur die Touristen, sondern auch die Einheimischen treffen, ist hier den ganzen Tag Trubel. Wer also gerne bei einem Café oder Aperitivo einfach nur schauen möchte, ist hier genau richtig.

Kontinentkarte Markierung Girona

Girona ist eine Stadt in Katalonien im Nordosten Spaniens am Onyar. Sie ist für ihre aus dem Mittelalter stammenden Bauwerke, die von einer Mauer umgebene Altstadt (Barri Vell) und die römischen Überreste der Festung Força Vella bekannt. Der Passeig Arqueològic, ein Fußweg entlang der alten Stadtmauer, ist von gepflegten Gärten gesäumt. Hier stehen auch einige Wachtürme, von denen man einen guten Blick hat.

2019 entdeckte Hanka ihre neue alte Reiselust wieder und startete einen Reiseblog. Seither reist sie genauso leidenschaftlich durch Europa, wie sie ich darüber schreibt. Sie ist fasziniert von den vielfältigen Landschaften und Regionen, mit ihren Küsten, und Gebirgen. Eintauchen in die kulturellen Besonderheiten, Kulturdenkmäler, Museen und Kirchen besichtigen. Wir folgen ihr auf IG: reisedurchmeinbuntesleben und auf ihrem Blog: reisedurchmeinbuntesleben.de.

Inhalt aus Ausgabe: Herbst 2021

In unserer Herbstausgabe reisen wir an die deutsche Nordseeküste, besuchen Orte, Städte und Inseln. Sehen uns um in der Region. Wir fahren weiter über die deutsche Fachwerkstraße, erleben interessante Städte in Franken und Bayern. Und wir reisen in die USA, Jamaika, nach Brasilien, erleben Japan im Herbst… – kurz, wir sind wieder unterwegs…
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Herbst 2021

In unserer Herbstausgabe reisen wir an die deutsche Nordseeküste, besuchen Orte, Städte und Inseln. Sehen uns um in der Region. Wir fahren weiter über die deutsche Fachwerkstraße, erleben interessante Städte in Franken und Bayern. Und wir reisen in die USA, Jamaika, nach Brasilien, erleben Japan im Herbst… – kurz, wir sind wieder unterwegs…