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Lieblings-Wanderwege in Südafrika

"Natur pur - kein Strom, kein Handyempfang und kaum Zivilisation“

Wenn man an einen Wanderurlaub denkt, dann kreisen die Gedanken und Pläne sicherlich erst einmal um die Alpen und an die Fern- und Premiumwanderwege hierzulande. Auch andere Länder sind seit der Pandemie auf der Beliebtheitsskala gestiegen, denn Slowenien, Skandinavien und vielleicht sogar die Pyrenäen sind mit dem eigenen Fahrzeug leicht zu erreichen und sind der absolute Trend im europäischen Van-Life. 

Wenn man hingegen an Südafrika denkt, dann verbindet man dieses Land wohl zuallererst mit Safaris, wilden Tieren, grandiosen Wellen zum Surfen und vielleicht hat manch einer auch noch die Fußball-WM 2010 im Kopf… Doch an Wanderungen und im Besonderen Mehrtages-Wanderungen denkt man hier erst einmal nicht. Dabei ist das Wahrzeichen von Kapstadt sogar Teil der sieben Naturwunder der Welt: Der Tafelberg ist aus dem Stadtpanorama nicht wegzudenken und auch wenn er nur 1086 Meter misst, einige Strecken haben es in wirklich in sich. 

Der klassische Urlaub in Südafrika führt früher oder später nach Kapstadt. Hier startet oder endet die wohl berühmteste Reiseroute des Landes: Die Garden Route. Aber nicht nur der Tafelberg ist ein Wanderparadies, viele wunderschöne Wanderwege und Trails befinden sich entlang der Garden Route und meist in unmittelbarer Nähe zum Ozean, was immer wieder eine frische Brise und sagenhafte Ausblicke garantiert

Warum also nicht einmal einen Wanderurlaub in Südafrika verbringen und wenn man schon einmal hier ist, kann man sich ja gleich noch einmal auf dem Surfboard ausprobieren und mit einem Geländewagen durch den Afrikanischen Busch fahren. 

 

Kapstadt und der Tafelberg

Bei einer Reise in eine neue Stadt gehört es dazu, sich die Stadt von oben anzusehen. Was in Rio der Sugar Loaf oder in New York das Empire State Building, ist in Kapstadt der Tafelberg. Ich muss zugeben, in den meisten großen Städten muss man nicht einmal selbst den höchsten Punkt erklimmen. Auch den Tafelberg kann man bequem mit der Seilbahn „besteigen“. Der Unterschied liegt im Gefühl: Man kommt oben an, verschwitzt, verflucht die zwar neuen, aber dennoch drückenden Wanderschuhe und freut sich eigentlich nur auf ein kühles Getränk und die Gelegenheit die Füße hochlegen zu können. Aber dann ist da dieser Ausblick! Ein Ausblick, den man sich den halben Tag lang hart erarbeitet hat, an dem man mehrere Stunden nicht die sozialen Netzwerke durchforstet und einfach mal den Kopf auf „Pause“ gestellt hat. Keine Gedanken, die sich ununterbrochen um die Arbeit drehen oder die die Stunden zählen, bis man wieder am Flughafen seinen Rückflug antreten wird. Dieser Ausblick ist auf einmal viel schöner als auf allen Bildern, die man zuvor gesehen hat und er lässt uns für einen Moment sprachlos sein und die Welt sich vielleicht ein wenig langsamer drehen. 

„Genau für diese Momente leben wir doch und seien wir mal ehrlich, diese finden eigentlich viel zu selten statt.“

Der Table Mountain National Park ist riesig. Endlos viele Wanderwege führen von allen Seiten auf die Gebirgskette, welche sich über die gesamte Halbinsel bis zum Kap der Guten Hoffnung zieht. Die wohl schnellste Strecke auf den Berg führt über den Trail „Platteklip Gorge“. Obwohl man die Strecke in rund zwei Stunden schaffen kann, hat sie es dennoch in sich, denn dieser Trail besteht nur aus Stufen. Diese Route empfehle ich bei einem knappen Zeitkontingent oder als Rückweg, wenn man – statt mit der Seilbahn – den Tafelberg auch wieder hinunterlaufen möchte. 

Einer der schönsten, aber auch schwierigeren Routen ist „India Venster“. Der Weg wird wegen der Form der Schlucht, die sich zwischen zwei großen Felsenwänden befindet und Ähnlichkeit mit dem indischen Subkontinent haben, India Venster genannt. Das Wort „Venster“, was auf Afrikaans Fenster bedeutet, beschreibt einen von Felsen eingerahmten Aussichtspunkt auf dem Trail. Dieser beginnt direkt an der unteren Seilbahnstation und führt über mehrere Kletterpassagen fast gerade hoch zur oberen Seilbahnstation. Es ist zwar kein professionelles Kletterequipment von Nöten, aber auf dieser Route sollte man auf jeden Fall schwindelfrei sein und auch ein wenig Erfahrung mitbringen. Der Südafrikaner nennt es liebevoll „scrambling“: eine Grauzone zwischen Wandern und Klettern. Die Route erfüllt somit alle Kriterien, die viele Menschen bei einer Wanderung suchen: herrliche Aussichten, abwechslungsreiches Wandern, dramatische Landschaften und das alles gespickt mit einer gesunden Portion Abenteuer.

Eine weitere Lieblingsroute von mir führt über den Stadtteil Camps Bay nach oben. „Kasteelspoort“ bedeutet Schlossportal auf Afrikaans. Die Route führt die Zwölf Apostel hinauf, eine Kette von Küstengipfeln, die sich hinter dem berühmten Tafelberg erstrecken. Auch diese Strecke ist schnell geschafft, sollte man allerdings von hier aus zur oberen Seilbahnstation wandern wollen, so muss man auf dem vermeintlich flachen Plateau des Tafelberges noch drei weitere kleine Berge erklimmen und man kann unter Umständen den ganzen Tag unterwegs sein. Ein Highlight hier ist das sogenannte „Divingboard“, welches ein berühmtes Fotomotiv mit malerischer Aussicht auf Camps Bay und die Atlantikküste ist. Auch der dichte und grüne Fynbos ist hier in all seinen Formen zu bestaunen. Der Tafelberg beherbergt jedoch nicht nur Pflanzen, sondern auch eine Reihe wilder Tiere wie das Dassie, Grysbok, Karakal, Mungos und Paviane. Auch befindet sich hier noch ein weiteres Tier, welches oftmals von Wanderern beobachtet werden kann: Es ist die Himalaya-Bergziege oder das Tahr. Sie kamen um die Jahrhundertwende (1900) nach Südafrika und lebten zuerst in einem Zoo, bis sie 1936 freigelassen wurden und nun den Tafelberg als Ihr Zuhause bezeichnen. Man mag sie als invasive Art ansehen, es ist dennoch eine ganz besondere und exotische Sichtung auf einer Wanderung. 

Die Liste der Traumpfade auf den Tafelberg könnte ich endlos weiterführen, denn der eine ist schöner als der andere – und umgekehrt. Die meisten Routen sind über den sogenannten „Contour Path“ verbunden. Dieser verläuft einmal um den Tafelberg und man kann im Zweifel die Route noch einmal wechseln, sollte man sich zu viel oder auch zu wenig vorgenommen haben. 

Ist keine Zeit für eine Wanderung auf den Tafelberg im Reiseplan vorgesehen oder sind die Beine vielleicht in diesem Urlaub schon genug gelaufen? Auch der Lionshead, der direkte Nachbar des Tafelberges, erfreut sich zahlreicher Wanderer und besonders zum Sonnenauf- und -untergang ist dies eine beliebte Strecke. Durch seine Höhe von 669 Meter ist er sehr schnell zu besteigen – man ist teilweise schon in unter einer Stunde am Gipfel. 

Doch eines haben alle Trails in Kapstadt gemeinsam: Bereits auf dem Weg nach oben wird man mit den phänomenalsten Ausblicken belohnt. 

 

Na, Interesse geweckt? Jetzt weiterlesen in der neuen Ausgabe Herbst 2022 – gedruckt oder digital.

 

Autorin: Cristine Wekenborg

Cristine ‘Tine’ Wekenborg hat ihr Herz in Afrika verloren. Seit 2007 ist die gebürtige Norddeutsche jedes Jahr nach Südafrika verreist, bis sie zehn Jahre später die Entscheidung trifft: Kapstadt! Sie kündigte Ihren Job, gab Ihre Wohnung auf und verkaufte (fast) alles was nicht in zwei Koffer passte. Aus einer geplanten kurzen Auszeit am Kap sind mittlerweile über vier Jahre geworden und der Plan nach Deutschland zurückzukehren wurde erst einmal verschoben. Wir folgen Tines Abenteuern auf Instagram unter @tine_nonstop.

Inhalt aus Ausgabe: Herbst 2022

In dieser Ausgabe wollen wir uns das Sauerland einmal näher ansehen. Wir hatten den Eindruck von einer etwas verschlafenen und angestaubten Region zu berichten, die auch als Urlaubsregion bundesweit noch nicht so bekannt ist. Doch weit gefehlt und wir wurden rasch eines Besseren belehrt. Das Sauerland ist wesentlich vielschichtiger als gedacht. Der Bodensee indes ist eine bekannte und beliebte Urlaubsregion. Wir blicken ab Seite 92 einmal auf die zahlreichen Möglichkeiten rund um den großen See, der drei Länder miteinander verbindet. Diese Tri-Nationalität ist dort tatsächlich überall zu spüren. Ein Leben fürs Unterwegssein, das hat der Bremer Herbert Brüdt gelebt. Zu einer Zeit, als Reisen noch mehr ein Abenteuer war. Wir lauschen seinem spannenden Bericht, den er unserem Autor Volker Keller gegeben hat ab Seite 12 und lassen uns in wahrhaft nostalgische Zeiten zurückversetzen. Darüber hinaus haben wir noch viele weitere spannende und interessante Geschichten in dieser Ausgabe für euch zusammengetragen. Seid gespannt und gut unterhalten.

Cristine Wekenborg
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Winter 2022 (vorbestellbar)

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In dieser Ausgabe begleiten wir unsere Autorin Julia Weigl in unserer neuen Rubrik Kulinarik bei ihren lukullischen Entdeckungen auf Teneriffa und begleiten Michelle und Fabian dabei, wie sie einige Tage auf der schönen Havel herumschipperten und  die Stille und die Natur auf dem Wasser genossen. Ein Naturerlebnis der anderen Art erlebte Melina auf ihrem Roadtrip durch den Norden Schottlands. Die atemberaubenden Bilder und ihre Story genießt ihr ab Seite 106. Etwas Wintersport muss sein. Ski Heil am Pillersee und in Kärnten. Ab Seite 124 begeben wir uns  auf einen Ausflug in die Karibik Brasiliens: Von Maceió nach Maragogi. Einen spektakulären Roadtrip erlebten Melina und ihr Freund in Down Under auf der Gibb River Road.  Eine Wanderung auf dem Otter Trail, dem bekanntesten Fernwanderweg Südafrikas unternehmen wir mit unserer Autorin Christina Wekenborg ab Seite 135. Doch geht der kommende Winter auch an uns nicht spurlos vorbei. In unserer Rubrik Heimat haben wir für euch ein paar tolle Impressionen aus dem winterlichen Deutschland zusammengestellt.