von Cindy und Chris Kögel

Kappadokien – Feenkamine, Höhlen und unterirdische Städte

Wir befinden uns im Landeanflug auf Kayseri. Die in Zentralanatolien liegende Stadt ist für uns der Ausgangspunkt einer unvergesslichen Märchenreise. Es ist bereits 10 Uhr abends. Die Lichter der Stadt leuchten unter uns und wir erkennen ein paar spärliche Umrisse einer Berglandschaft. Zu diesem Zeitpunkt ahnten wir noch nicht in was für einer atemberaubenden und verwunschenen Landschaft wir uns bereits befinden. Touch Down Kayseri – wir sind angekommen im Herzen der Türkei. Doch zu unserem Endziel trennten uns noch ganze 70 Kilometer. Mit dem Mietwagen ging es also noch rund eine Stunde durch die tiefschwarze Nacht bis nach Göreme. Glücklich aber müde fielen wir in unser Hotelbett, bereit am nächsten Morgen unsere Kappadokien Erlebnisreise zu starten. 

Kappadokien ist eine historische Region im Hochland Zentralanatoliens. Die wohl bekannteste Stadt ist Göreme in der türkischen Provinz Nevşehir. Sie wird auch gerne die Hauptstadt Kappadokiens genannt und zieht Jahr für Jahr Touristen aus aller Welt an. Die Landschaft ist geprägt von bizarren und einzigartigen Felsformationen vulkanischen Ursprungs. Vor mehreren Millionen von Jahren haben hier drei gewaltige Vulkane ihr Unwesen getrieben und die karge Wüstenlandschaft mit Lava und Tuffasche überzogen. Durch jahrtausendelange Erosionsprozesse entstand die heutige beeindruckende Skulpturenlandschaft. Wohin man auch blickt, ragen skurrile Felstürme in die Höhe, die Schicht für Schicht aus Vulkanasche geformt wurden. Die Einheimischen nennen diese bizarren Felstürme aus dem weichen Tuffstein auch Feenkamine, da der Legende nach hier Feen hausten. Ein Kunstwerk der Natur und wirklich einmalig auf unserem Planeten. Verständlich, dass dieser Ort seit 1985 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Ein Großteil der Felstürme ist durchlöchert. Was auf den ersten Blick wie ein Schweizer Käse aussieht, sind Höhlen, die über Jahrtausende als Zuflucht, Schutz und auch Wohnort der Menschen diente. Noch heute werden ganze Gebäude, wie Kirchen, Restaurants und Hotels in die Tuffsteinlandschaft integriert. Wir empfehlen dir deshalb auch unbedingt in einem der mystischen Höhlenhotels zu übernachten. Ein wirklich einmaliges Erlebnis.

Was wir in diesen fünf Tagen in Kappadokien erlebt haben, lässt sich wirklich schwer in Worten beschreiben, denn es war einfach Magie pur. Deshalb lasst uns gemeinsam eintauchen in die Schönheit und den Zauber von Kappadokien. Eines können wir direkt vorweg verraten – es wird magisch, romantisch und grandios. 

Mach dich bereit und reise mit uns nach Kappadokien, dem Ort, wo Sonnenaufgänge zu einem faszinierenden Schauspiel, bewohnte Höhlen zu Hotels werden und skurrile Felsformationen die weitläufige Landschaft zieren.

Sonnenaufgänge der ganz besonderen Art

Wer nach Kappadokien reist, muss sich einer Sache bewusst sein – ausschlafen ist hier nicht, denn das größte Highlight erwartet einen in den frühen Morgenstunden, dann, wenn die ersten Klänge der Muezzine die Stille der Nacht durchbrechen, die Sterne sich langsam verabschieden, die Sonne sich bereit macht für den Tag und unzählige Heißluftballons in den morgendlichen Himmel aufsteigen. 

Trotz der späten Ankunft in unserem Hotel schälten auch wir uns morgens um 05:30 Uhr aus unserm Bett. Mit einem frisch gebrühten Kaffee in der Hand tapsten wir barfuß und noch im Halbschlaf die vielen Stufen zur Dachterrasse unseres Hotels hoch. Oben angekommen erblickten wir schwere Perserteppiche und bunte Kissen mit den verschiedensten orientalischen Mustern, welche die Terrasse zierten. Gespannt warteten wir auf das bevorstehende Heißluftballonwunderland. Wir ließen uns auf die gemütlichen Kissen fallen. In der rechten Hand den Kaffee und in der Linken unsere Kamera – bereit dieses Spektakel einzufangen und zu bestaunen.

Noch lag die friedliche Stille über der Stadt Göreme, der Himmel am Horizont lichtete sich bereits und die Morgendämmerung brach langsam herein. Während wir unsere Blicke über die Dächer schweifen ließen, hörten wir dann plötzlich in der Ferne das leise Fauchen der Heißluftballons und zwischen den Tuffsteintürmen blitzten immer wieder kleine, leuchtende Feuerbälle auf. Die Ballons machten sich bereit, in den morgendlichen Himmel zu steigen. Mit jeder Minute wurde es heller und die Morgenröte tauchte die Landschaft um uns herum in sanfte rosa-rote und orange Pastelltöne. Ein Heißluftballon nach dem Nächsten setzte an und schwebte in die Lüfte. Ein Gänsehaut-Moment für die Ewigkeit und für uns als Blogger und Fotografen eine Traumszenerie. Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus.  Wir verbrachten gefühlt den ganzen Morgen auf dieser Dachterrasse, bis auch der allerletzte Ballon sich verabschiedete und wieder zum Landeanflug ansetzte. Uns war klar, dass wollen wir noch einmal erleben und so klingelte unser Wecker an allen 4 Tagen zu dieser unchristlichen Zeit, um dieses besondere Ereignis immer wieder aufs Neue bestaunen zu können. 

Rund um Göreme gibt es unterschiedliche Aussichtspunkte. Neben dem von einer der Hotel-Dachterrassen empfehlen wir einen morgendlichen Ausflug zum Love Valley Viewpoint. Hier starten an fast 300 Tagen im Jahr ein Großteil der Heißluftballons und man ist mittendrin, wenn die ersten Ballons gen Himmel abheben. Der Ausblick auf die ersten Sonnenstrahlen, die über das Tal hineinbrechen und dabei die Felsen in ein orange-rotes Licht tauchen und hunderte Ballons durch die Lüfte gleiten, ist einfach spektakulär und kaum in Worte zu fassen. 

In Schwindel erregender Höhe

Auch für uns ging dieser Reisetraum in Erfüllung – ein Rundflug mit dem Heißluftballon. Und so waren wir an einem Morgen keine Zuschauer am Aussichtspunkt, sondern sind selbst mit hundert weiteren Ballons bei Sonnenaufgang über die spektakuläre Landschaft Kappadokiens geschwebt. Gemeinsam mit 18 anderen Touristen standen wir aufgeregt im Korb des Heißluftballons. Das Herz schlug uns bis zum Hals und wir konnten es gar nicht mehr abwarten, bis es endlich losgehen sollte. Immer und immer wieder fauchte der Brenner über unserem Kopf und katapultierte die heiße Luft der Flammen aus dem Brenner in den riesigen Ballon. Und dann war der Moment gekommen. Der Korb hob langsam ab und mit jeder Sekunde entfernte sich mehr und mehr der Boden unter uns und wir stiegen Meter für Meter in die Lüfte. Unser Pilot manövrierte den Ballon geschickt über die bizarre Felslandschaft des Rosé Valleys, vorbei an unzähligen anderen Heißluftballons. Wie ein Vogel glitten wir durch die Lüfte und uns umgab nichts als Stille, welche gelegentlich vom Fauchen des Brenners unterbrochen wurde. Ein Gefühl, als würde die Welt stillstehen, so sanft bewegte sich unser Heißluftballon in schwindelerregender Höhe über die eindrucksvolle Landschaft. Am Horizont stiegt die Sonne langsam höher und flutete die Landschaft mit ihrem goldgelben Licht. Nach einer guten Stunde erreichten wir das Love Valley und wir setzten langsam aber sicher zur Landung an. Die Fahrt verging wortwörtlich wie im Flug und als wir mit dem Korb wieder am Boden aufsetzten, fühlten wir uns immer noch so, als wären wir in einer Art Sinnenrausch gefangen. Kappadokien zum Sonnenaufgang aus der Luft zu erleben war spektakulär und unbeschreiblich schön. Einer dieser Marmeladenglasmomente, die man am liebsten für immer konservieren möchte. 

Zwischen Feenkaminen, Höhlen und unterirdischen Städten

Einer der wohl bekanntesten Orte in Kappadokien, um die eindrucksvollen Feenkamine aus nächster Nähe zu bestaunen, ist das malerische Pasabag-Tal. Nur wenige Autominuten von Göreme entfernt ragen hier zwischen zahlreichen Höhlen und skurrilen, pilzförmigen Felsformationen bis zu 40 Meter hohe Tuffschornsteine gen Himmel. Kaum zu glauben, dass dieses geologische Wunder vor mehreren Millionen von Jahren ihren Anfang fand und Wind und Wetter über Jahrtausende diese einzigartige Landschaft erschufen. Eine fast schon surreale Landschaftsszenerie, die uns fortwährend in Staunen versetzte.

Pasabag wird auch als das Mönchstal betitelt, da es einst als Heimat christlicher Mönche diente, die in den Schornsteinen und Höhlen Zuflucht fanden. Unterschiedliche Wege schlängeln sich durch das Tal, vorbei an den hoch aufragenden Feenkaminen, Felsformationen und Höhlen. Einige davon sind auch zugänglich, darunter die Kapelle und die Wohnräume des heiligen Mönchs Simeon, ein Eremit, der im 5. Jahrhundert n. Chr., diesen Ort als seine Heimat auserkoren hat. Aufgrund der leichten Zugänglichkeit ist Pasabag seit jeher ein Touristenmagnet und tägliche Touristenmassen sind hier leider an der Tagesordnung. 

Nur unweit des Mönchstals befindet sich das Zelve Freilichtmuseum, eine verlassene Höhlenstadt, die sich über drei Täler erstreckt. Hier lebte noch bis 1950 eine der größten Gemeinden Kappadokiens. Über Wanderwege und Stufen können die beeindruckenden Kirchen und Klosterkomplexe sowie auch die einst bewohnten Höhlen und Wirtschaftsräume besichtigt werden. 

Doch Kappadokien beherbergt noch weitaus mehr Höhlensysteme, denn tief unter der Erde befinden sich in dieser Region ganze Städte, die sich über mehrere Kilometer erstrecken. Zu den berühmtesten, unterirdischen Städten zählt Derinkuyu, welche rund 18 Stockwerke tief unter der Erde liegt und in früheren Zeiten Heimat für mehr als 1.000 Menschen bot. Erst vor 50 Jahren wurde die rund 2.500 Quadratmeter große Stadt entdeckt und das rein zufällig von einem Einheimischen, der Renovierungsarbeiten an seinem Haus durchführte. Irgendwie schon eine verrückte Vorstellung, dass man plötzlich in seinem Keller bei Bauarbeiten einen Zugang zu einer bis dato nichtexistierenden Stadt findet, oder? Tatsächlich ist Derinkuyu nicht die einzige Stadt unter Tage. In ganz Kappadokien gibt es mehr als 30 dieser unterirdischen Städte.

Das Wahrzeichen Kappadokiens – Uchisar Castle

Nur eine kurze Autofahrt von Göreme entfernt, inmitten des Göreme Nationalparks, liegt das charmante und ursprüngliche Örtchen Uçhisar. Hier in diesem Städtchen, welches an das berühmte Tauben- und Liebestal grenzt, thront die rund 60 Meter hohe Felsenburg Uçhisar. Sie ist nicht nur der höchste Punkt Kappadokiens, sondern zählt auch als dessen Wahrzeichen. Durch schmale Gänge und über knapp 100 Treppenstufen ging es auf direktem Weg hoch auf die Aussichtsplattform. Hier konnten wir eine sagenhafte 360 Grad Aussicht genießen. Bei diesem Anblick wurde uns schnell klar, warum die Höhlenfestung Uçhisar auch den Beinamen „Auge Kappadokiens“ trägt. Hier oben hat man wirklich das Gefühl, ganz Kappadokien überblicken zu können. In unserem Blick lag die ganze Schönheit der einzigartigen Tufflandschaft mit ihren unzähligen, bizarren Felsformationen, eingebettet in die schier endlose Wüstenlandschaft der Region. An klaren Tagen sieht man am Horizont sogar die hoch aufragenden, majestätischen Vulkane Erciyes Daği und Hasan Daği, zwei der drei mörderischen Vulkan-Kolosse, die vor Jahrmillionen durch ihren Ausbruch den Grundstein für diese Landschaftsszenerie legten. Der Vulkan Erciyes Daği, auch Kayseri Berg genannt, ist mit knapp 4.000 Metern der höchste Berg Zentralanatoliens. Der Vulkan befindet sich seither im anhaltenden Dornröschenschlaf und wird insbesondere in den Wintermonaten zunehmend zu einem beliebten Skigebiet der Region. ,,,,,,Die Höhlenfestung Uçhisar ist keine von Menschen erbaute Burg, sondern wurde auch durch die Erosionsprozesse von der Natur geformt. Sie diente in der Geschichte sowohl als Versteck, Verteidigung und auch als Wachturm. 

Täler, Schluchten und wildromantische Wanderwege

Rund um die Stadt Göreme gibt es zahlreiche Täler, die sich perfekt zu Fuß erkunden lassen. Während der Großteil der Reisenden sich von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt hangelt und an den berühmten Fotospots ihr Erinnerungsbild knipst, begegnet man bei den Wanderungen durch die Täler kaum einer Menschenseele. Für uns als leidenschaftliche Wanderer einfach perfekt, denn was gibt es Schöneres, als einen aussichtsreichen Wanderweg fast für sich allein zu haben. Die bekanntesten Täler rund um Göreme sind das Rosental (Rosé Valley), das Rote Tal (Red Valley), das Taubental (Pigeon Valley) sowie das Liebestal (Love Valley). Wir sind durch alle vier Täler gewandert und jedes war auf seine Art und Weise sehenswert und wunderschön. Überall wurden wir mit eindrucksvollen Ausblicken auf die wildromantische Landschaft mit ihren imposanten Felsformationen belohnt. 

Wer in Kappadokien mit perfekt ausgelegten und ausgeschilderten Wanderwegen rechnet, den müssen wir direkt enttäuschen. Die Wanderwege gleichen mehr oder minder einem Labyrinth und sich darin zu verirren gehört fast schon zur Tagesordnung, so war es jedenfalls bei uns. Ein funktionierendes Navi auf dem Handy ist hier definitiv ein Muss, sonst wird schnell aus einer zweistündigen Tour eine Tageswanderung. 

Jedes der Täler hat seine Namensgebung aufgrund einer Besonderheit erhalten. Das Tal mit den wohl markantesten Felsformationen ist das Liebestal. Bereits nach einem kurzen Blick auf die Form der Felstürme wird schnell klar, warum das Tal den Namen „Love Valley“ trägt. 😉 Wir mussten bei diesem Anblick wirklich schmunzeln. Die Einheimischen bezeichnen diese Form liebevoll als Pilz, doch unter uns… die Form erinnert dann doch eher an ein männliches Geschlechtsteil, als an einen unscheinbaren Pilz.

Das Taubental, auch Pigeon Valley, liegt zwischen Göreme und Uçhisar und erhielt seinen Namen aufgrund der zahlreichen Taubenhäuser, die hier in den weichen Tuffstein gehauen wurden. Tauben haben in der Türkei und insbesondere in Kappadokien einen sehr hohen Stellenwert. Sie stehen nicht nur als Symbol für Familie und Frieden, sondern dienten früher auch als wichtige Briefboten. Außerdem wurden die Ausscheidungen der Vögel lange Zeit als wirkungsvoller Dünger eingesetzt.

Das Rosental lässt sich perfekt mit dem Roten Tal kombinieren und beide Täler verdanken ihren Namen dem im Licht farbig schimmernden Gestein. Je nach Tageszeit und Lichteinfall variiert die Farbintensität. Besonders beeindruckend ist die Landschaft bei Sonnenuntergang, dann, wenn sich das sanfte Rosé der Felsen in ein feuriges Flammenmeer verwandelt. Der perfekte Ort, um einen magischen Sonnenuntergang zu genießen und einen aufregenden und ereignisreichen Tag gebührend zu beenden. 

Kappadokien ist magisch, mystisch und voller Naturwunder. Ein Ort, an dem der Orientzauber an jeder Ecke zu spüren ist. Die Region beherbergt noch so viele weitere spannende und interessante Orte und wir können schon heute sagen, dass wir irgendwann noch einmal wieder herkommen werden. Steht Kappadokien bereits auf deiner Bucketlist oder hat dich dieses orientalische Märchenland bereits verzaubert?

Mehr Ausflugstipps und Reise-Inspiration gibt es in unserer aktuellen Ausgabe Frühjahr 2024 – in print und digital.

Über die Autoren: Cindy und Chris Kögel

Reiseverrückt, fernwehgeplagt und abenteuerlustig! Für die beiden gibt es kaum etwas schöneres als gemeinsam die Welt zu bereisen, neue Orte zu entdecken und sich dabei in die verrücktesten Abenteuer zu stürzen. Ihre größte Leidenschaft ist das unkonventionelle Reisen und wenn sie nicht gerade irgendwo auf der Welt unterwegs sind, dann findet man sie auf irgendeinem Gipfel in ihrer schönen Heimat dem Allgäu. Folgt Ihnen auf Instagram unter @footprints2happiness oder auf ihrem Blog unter www.footprints2happiness.de.

 

Ihre weiteren Beiträge auf unserem Reiseblog: 

Bolivien – das Land der Vulkane, Lagunen und Flamingos

Malediven: Barfuß-Erlebnisse unter Palmen

 

Text & Bildnachweise: Cindy und Chris Kögel

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